Mercedes-Benz S-Klasse im Test: Stuttgarter Sternstunde
Mögen auch zwei britische Edelmarken die automobile Spitze markieren, ihre Modelle bleiben Nischenfahrzeuge für einige Wenige. Im Luxussegment gibt weltweit die S-Klasse von Mercedes den Ton an. Genaue Zahlen verraten die Stuttgarter nicht. Doch in guten Jahren unterschrieben schon mal rund 100.000 Kunden einen Kaufvertrag. Selbst BMW und Audi fahren mit 7er und A8 zulassungsmäßig weit hinterher.
Um auch in den kommenden Jahren die Pole Position zu halten, unterzieht Mercedes seiner Baureihe 223 knapp sechs Jahre nach dem Debüt einer intern genannten „Mopf“ (steht für Modellpflege). Und die fällt dieses Mal ziemlich deftig aus, nach Worten der Entwickler ist es „das umfassendste Update innerhalb einer S-Klasse-Generation“.
Mercedes-Benz S-Klasse (2026)
Maßgeblich gilt dies allerdings für Dinge unter dem Blechkleid. Denn äußerlich gibt sich der schwäbische Luxusliner zurückhaltend, lässt sich sein Facelift nicht groß anmerken. Wer genauer hinschaut, erkennt einen etwas größeren und jetzt beleuchteten Kühlergrill sowie neue Scheinwerfer mit doppelten Sternen als Tagfahrlicht.
Auch die Rückleuchten sind in ihrer unteren Kontur neu und erhielten ein Stern-Innenleben. Wichtig war es den Designern, Status und Präsenz stärker hervorzuheben. Dazu zählt auch der beleuchtete Stern auf der Haube. Ihn gibt es jedoch nur auf Kundenwunsch. Ein Extra, das vor allem in Asien und Amerika regen Zuspruch finden dürfte.
Mercedes S-Klasse im Interieur nicht wiederzuerkennen
Dominiert wird das völlig neu gestaltete Cockpit vom sogenannten MBUX-Superscreen. Der Riesenbildschirm ist serienmäßig an Bord und brilliert durch hervorragende Auflösung, ultraschnelle Reaktionen und nahezu intuitive Bedienung.
Damit alles perfekt läuft, hält nun auch das in Eigenregie entwickelte MB.OS (Mercedes-Benz Operating System), eine Art Supercomputer, Einzug in die S-Klasse. Zuvor erhielten bereits die elektrischen Neuerscheinungen CLA, GLC und C-Klasse diese Hochleistungs-Software. In Verbindung mit der Mercedes-Cloud ermöglicht sie Over-the-Air-Updates (OTA) und hält die S-Klasse digital stets auf den neuesten Stand.
Nicht fehlen darf da natürlich die Künstliche Intelligenz in Form eines der KI-basierten Assistenten. Mercedes nutzt hier ChatGPT, Microsoft Bing und Google Gemini und zündet damit die nächste Stufe der intuitiven Sprachsteuerung. Während unserer Testfahrt überraschte und erstaunte der Avatar immer wieder durch seine weitgehend natürliche Kommunikation und schnelle Intelligenz. Ein „Hey Mercedes“ reicht zur Aktivierung.
Mercedes-Benz EQS (2027)
Über Sitz- und Geräuschkomfort, Raumangebot und Haptik muss bei der S-Klasse kein Wort mehr verloren werden. Einsteigen und wohlfühlen. Das gilt ebenso für die Passagiere auf den Rücksitzen. Stolz sind hier die Entwickler auf den „Boardroom“ genannten First-Class-Fond.
Zwei über 33 Zentimeter große Displays mit zwei herausnehmbaren Fernbedienungen und integrierter Videokonferenztechnik verwandeln das rückwärtige Abteil in einen vollvernetzten Arbeitsplatz. Leder (30 Töne sind möglich) bildet zwar nach wie vor die Grundausstattung in der S-Klasse, doch wer möchte, bekommt das Interieur erstmals auch lederfrei.
Mercedes S-Klasse: Fahren in der absoluten Oberliga
Was das Fahren anbelangt, bewegt sich der schwäbische Luxusliner in der absoluten Oberliga, egal, welche Motorisierung – sie wurden sämtlich überarbeitet in Richtung Effizienz, Leistung und Abgas – da gerade unter der langen Fronthaube werkelt. Der Käufer kann wählen zwischen Acht- und Sechszylinder, zwischen Benziner und Diesel, zwischen Mild- und Plug-in-Hybrid. Letztere Antriebsform (S 450 e 4Matic und S 580 e 4Matic) gipfelt in gut 100 Kilometer elektrischer Reichweite. Doch auch danach setzt sich die Souveränität des seidenweich laufenden Dreiliter-Sechszylinders ungemindert fort.
Das gleiche Maß an Gediegenheit liefert der komplett neu entwickelte Vierliter-Achtzylinder im S 580 4Matic, dessen Leistungswerte mit 395 kW/537 PS auf ähnlich hohem Niveau liegen wie die des Plug-in-Hybrid-Pendants.
Dennoch zählt der klassische V8 in Deutschland nicht zu den meistgewählten Motorisierungen. Spitzenreiter ist der Sechszylinder-Diesel im Einstiegsmodell S 350 d 4Matic. Hauptgrund dürfte dessen gute Effizienz sein. In diesem Fahrzeugsegment mit knapp über sechs Liter pro 100 Kilometer unterwegs zu sein, ist schon ein cooles Statement.
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Hinzu kommt ein Fahrkomfort, wie ihn seit Generationen nur die größte Limousine von Mercedes vermittelt: angenehme Sitze, absolute Ruhe und eine Federung (Luft), bei der man denkt, dieses Auto rollt nicht, es gleitet über den Asphalt. Ein Adaptiv-Fahrwerk mit Wankstabilisierung gibt es gegen Aufpreis.
Auch die Handlichkeit der S-Klasse (Länge: 5,30 Meter) überrascht. Hilfreich wirken hier auf jeden Fall die mitlenkenden Hinterräder. Auf Wunsch sind zehn Grad Einschlag (Serie 4,5 Grad) zu bekommen, und dies sogar nachträglich als Over-The-Air-Update (OTA).
Beim Thema Assistenzsysteme markiert Mercedes eh schon weltweit die Spitze in der Branche. Dennoch gibt es jetzt eine kleine Wendung. Zuvor hatte die S-Klasse Level 3 bis zu einem Tempo von 95 km/h. Heißt, der Fahrer konnte beispielsweise auf der Autobahn bis zu dieser Geschwindigkeit dauerhaft die Hände vom Lenkrad nehmen.
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