Beim Automobilzulieferer Bohai ist eine Übernahme in weite Ferne gerückt: Potenzielle Investoren konnten sich nach Angaben des Insolvenzverwalters nicht mit den wichtigsten Auftraggebern einigen. Ein Hauptkunde kündigte nun an, ab Herbst Teile aus Harzgerode und Sömmerda abzuziehen. Damit steht die Fortführung beider Werke infrage.

Der vom Amtsgericht Halle (Saale) bestellte Insolvenzverwalter Olaf Spiekermann hat nach eigenen Angaben seit mehr als einem Jahr die Geschäftsbetriebe von vier Bohai-Gesellschaften weitergeführt und mit potentiellen Käufern verhandelt. An den Standorten Harzgerode (Sachsen-Anhalt) und Sömmerda (Thüringen) arbeiten rund 700 Beschäftigte. Produziert werden Getriebe-, Fahrwerks- und Karosserieteile für mehrere Hersteller und Zulieferer.

Parallel lief ein internationaler Investorenprozess. Demnach zeigten bis zuletzt drei Unternehmen aus dem Automotive-Umfeld Interesse an einer Übernahme. Eine Einigung mit den wesentlichen Auftraggebern sei jedoch nicht zustande gekommen, heißt es  in einer Mitteilung.

VW zieht Aufträge ab Herbst

Ende vergangener Woche sei dem Insolvenzverwalter von der Hauptauftraggeberin mitgeteilt worden, dass wesentliche Bauteile, die bislang in Harzgerode und Sömmerda gefertigt werden, ab Herbst abgezogen werden. Ohne diese Aufträge sind beide Standorte nach Einschätzung des Verwalters nicht überlebensfähig. Medienberichten zufolge handelt es sich dabei um den Autobauer VW.

Spiekermann kündigte an, mit der Planung einer Ausproduktion in beiden Werken zu beginnen. Die endgültige Entscheidung liege allerdings bei den vier Gläubigerausschüssen. Diese sollen sich voraussichtlich Ende der kommenden Woche erneut mit der Lage befassen.

Über die Entwicklung seien am Morgen die Gläubigerausschüsse sowie wesentliche Auftraggeber informiert worden. Am Nachmittag sollten die Beschäftigten in Harzgerode und Sömmerda in Betriebsversammlungen unterrichtet werden. Sollte sich die Situation in den kommenden Tagen nicht mehr ändern, könnten nach Angaben des Insolvenzverwalters zusätzlich rund 650 Arbeitsplätze in weiteren, wirtschaftlich verbundenen Unternehmen im Harz betroffen sein.

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