"Wird Zeit in Anspruch nehmen": Keine schnelle Entwarnung bei hohen Spritpreisen in Sicht
Die Bundesregierung hat vor einer überzogenen Erwartung schnell sinkender Spritpreise infolge der Waffenruhe im Iran-Krieg gewarnt. "Es ist Realismus in mehrfacher Hinsicht geboten", sagte der stellvertretende Regierungssprecher Sebastian Hille in der Bundespressekonferenz in Berlin. "Die Wiedereröffnung der Straße von Hormus braucht Zeit und führt nicht schnell unmittelbar zurück zum Status aus dem Februar."
Der Sprecher betonte: "Es wird Zeit in Anspruch nehmen, bis die Schifffahrt wieder das Vorkriegsniveau erreicht und das Angebot am Weltmarkt stabilisiert ist." Auch werde es dauern, bis zerstörte Produktionsanlagen wiederhergestellt seien. Zudem sei der Waffenstillstandsprozess mit großen Unsicherheiten behaftet. "Wir sind noch weit von einem Abkommen entfernt und erhebliche Rückschläge sind jederzeit möglich."
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Benzinpreise: Preissenkungen werden dauern
Hille wies darauf hin, dass ein Tanker von der Meerenge von Hormus nach Europa drei bis sechs Wochen braucht. Es werde also eine Zeit dauern, bis die Ladung verfügbar sei. "Dementsprechend wird es auch dauern, bis deutliche Preissenkungen bei uns ankommen." Hinzu komme, dass die Transportkosten absehbar erhöht blieben, etwa wegen höherer Versicherungsprämien.
Trotz abgestürzter Rohölpreise haben die meisten Tankstellen am Mittwochmittag ihre Preise deutlich erhöht. Im bundesweiten Durchschnitt verteuerte sich Superbenzin der Sorte E10 zwischen 11.45 Uhr und 12.15 Uhr um 5,7 Cent pro Liter, Diesel um 5,3 Cent, wie der ADAC mitteilt. Nach der Erhöhung kostete ein Liter E10 im Schnitt 2,208 Euro, ein Liter Diesel 2,471 Euro.
Bei genauer Betrachtung deuten die jüngsten Anhebungen in Richtung sinkender Spritpreise, denn der Anstieg am Mittwochmittag war der bisher niedrigste seit Einführung der 12-Uhr-Regel vor einer Woche. Noch vergangene Woche hatten die Preissprünge um die Mittagszeit teilweise mehr als 10 Cent betragen, nun geht es weniger stark nach oben. Und auch die Durchschnittspreise um 12.15 Uhr sind niedriger als am Vortag zur selben Zeit - bei E10 um knapp 3 Cent, bei Diesel sogar um gut 3 Cent.
"Absenkung dauert in der Regel einige Tage"
Der ADAC forderte, dass der gesunkene Ölpreis "zügig an die Verbraucher weitergegeben werden" muss. Wie schnell dies passiert, ist aber unklar. Das Bundeskartellamt hat in der Vergangenheit beobachtet, dass Kostensteigerungen schnell im Preis sichtbar werden, sinkende Kosten aber nur langsam.
Auch die "Wirtschaftsweise" Monika Schnitzer sagte: "Hoch gehen die Preise immer schnell, die Absenkung dauert in der Regel einige Tage. Ich gehe aber davon aus, dass die niedrigeren Ölpreise weitergegeben werden."
In Frankreich gibt es bereits erste Einschätzungen, wie stark der Effekt sein könnte: Der Vorsitzende der Ölindustrieunion, Olivier Gantois, sagte im Sender France Info, dass die Spritpreise in den kommenden Tagen um 5 bis 10 Cent pro Liter sinken könnten, falls sich der Ölpreis pro Barrel bei etwa 93 bis 95 Dollar halten sollte.
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