Polestar wächst, schreibt aber nach wie vor rote Zahlen. Dennoch bekräftigen die Schweden ihren Kurs und wollen die Marke weiterhin als reinen E-Autohersteller positionieren – auch wenn sich der Markt langsamer entwickelt als erhofft. Das Zielpublikum bleibt eine vergleichsweise junge Kundschaft, die neue Technologien und die Umweltargumente der Elektromobilität eher annimmt.

Parallel soll Polestar noch deutlicher im Premiumsegment verankert werden – mit geschärftem Designprofil, eigenständigem Bedienkonzept und Portfolio-Erweiterungen. Nach den SUV Polestar 3 und 4 folgen demnächst der Gran-Tourer Polestar 5 sowie der kompakte SUV Polestar 7 für das volumenstarke europäische Kompaktsegment.


Polestar Space in Berlin


In Deutschland sollen die globalen Ambitionen mit einem neuen Vertriebsansatz auf die Straße gebracht werden. Seit Sommer 2025 verantwortet Jan Grindemann als Regional Director Central Europe & Managing Director Germany das Deutschlandgeschäft der Marke und richtet das Händlernetz neu aus. „Wir befinden uns in einem Verdrängungswettbewerb, in dem sich jeder Marktanteile kauft – wir auch“, beschreibt er die Ausgangslage. „Entscheidend für nachhaltigen Erfolg ist für uns, dass wir unsere Marke und Positionierung konsequent weiterführen.“

Für Grindemann bedeutet die Produktoffensive vor allem eines: Kapazitäten im Netz schaffen – und damit den Zugang zu neuen Kundengruppen. „Wenn der Polestar 7 kommt, müssen wir mit höheren Stückzahlen umgehen können.“ Ende vergangenen Jahres kündigte Polestar allen bestehenden Partnern, um auf neue Verträge umzustellen.

Das neue Vertriebskonzept basiert im Kern auf einem modifizierten Agenturmodell, das sich stark am klassischen Vertragshändler-System orientiert und den Partnern unternehmerischen Spielraum lässt. „Wir wollen den Unternehmergeist unserer Händler fördern und sprechen gern von einer Renaissance des Handels“, betont Grindemann. „Wir wissen, dass wir ohne starke Vertriebspartner in Deutschland nicht erfolgreich sein werden.“

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Polestar setzt auf Volvo

Aktuell umfasst das deutsche Netz rund zwölf Standorte, bis Ende des Jahres sollen es etwa 25 sein. 2027 sollen fünf weitere hinzukommen – nach Grindemanns Einschätzung ausreichend für das geplante Modellportfolio. „Wir wollen für über 80 Prozent der deutschen Bevölkerung eine Fahrzeit von rund 45 Minuten zum nächsten Polestar Space ermöglichen. Mit rund 30 Standorten ist das realistisch“, sagt er. Regionale Schwerpunkte beim Ausbau liegen in Ostdeutschland, Nordbayern sowie im Südwesten rund um die Region Ravensburg/Bodensee – also überwiegend in Regionen mit hoher Kaufkraft, in denen Polestar bislang noch Lücken im Netz sieht.

Der Vertriebsaufbau erfolgt ausschließlich mit Handelspartnern der Schwestermarke Volvo – eine Vorgabe des chinesischen Mutterkonzerns Geely. Ergänzend nutzt Polestar das deutschlandweit rund 200 Standorte umfassende Volvo-Servicenetz. Vor allem für Flottenkunden und Dienstwagenfahrer ist die Kombination aus wachsendem Verkaufsnetz und dichter Servicedecke ein Argument. Konflikte mit Volvo befürchtet Grindemann nicht, da sich Polestar als reine Elektro-Marke versteht und sich mit stärker performance-orientierten Fahrzeugen und eigenständigem Nachhaltigkeitsprofil von Volvo ausreichend differenziere.


Polestar 5 (Wintertest)


Parallel rückt Polestar auch Privatkunden in den Fokus. Während der Anteil an gewerblichen Zulassungen derzeit rund 60 Prozent beträgt, machen private Verkäufe nur etwa zehn Prozent der Neuzulassungen aus – ein Wert, den das Unternehmen deutlich steigern will. Der Rest entfällt auf Mietwagengeschäft und Eigenzulassungen.

Eine zentrale Rolle soll dabei die digitale Stärke der Marke spielen. Polestar behält dabei im angepassten Agenturmodell den Kundenzugang und kann Marketingmaßnahmen gezielt anstoßen. „Wir können Interessenten wie Bestandskunden sehr viel direkter ansprechen, weil wir die Daten haben“, sagt Grindemann. „Wenn etwa Leasingverträge auslaufen, stoßen wir die Verlängerungsprozesse an – also klassische Kundenpflege.“ Zudem setzt Polestar auf intensivere Beratung und aktives Nachfassen durch den Handel – ein Ansatz, der über reine Online-Modelle hinausgeht.

Gebrauchtwagen für Polestar wichtig

Ein weiterer Baustein ist das Gebrauchtwagengeschäft. „Wir müssen als Hersteller vermeiden, durch Leasingrückläufer ein Überangebot an Gebrauchtwagen zu erzeugen. Deshalb haben wir unsere Rückkaufprogramme deutlich reduziert und ersetzen sie derzeit schrittweise durch professionellen Flottenvertrieb“, erklärt Grindemann.

Zugleich wurde das Gebrauchtwagengeschäft als Pflichtbestandteil aller neuen Verträge verankert: Jeder Partner ist automatisch in das Polestar-Used-Car-Programm eingebunden, mit separaten Ausstellungsflächen, einer Grundbevorratung je Standort sowie einem Qualitätsprogramm inklusive Batteriekapazitätsprüfung und Zertifikat.


Polestar 3 (2026)


Das starke Wachstum der vergangenen Monate wird Polestar nicht aufrechterhalten können. „Für 2026 planen wir ein moderates Plus“, sagt Grindemann. Die Umstrukturierung des Netzes, die Einführung neuer Baureihen sowie Modelljahreswechsel und organisatorische Anpassungen dämpfen kurzfristig die Dynamik. Mittelfristig soll das neue Vertriebsnetz jedoch die Basis für profitableres Wachstum und eine stärkere Sichtbarkeit der Marke im Straßenbild schaffen. „Wenn es uns im Team Spaß macht, Autos zu verkaufen – und den Händlern auch –, dann haben wir sehr viel erreicht.“ 

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