Modellpflege für MG4 EV: Großer Schritt nach vorn
Kein Elektroauto aus China dürfte man bei uns häufiger im Straßenverkehr wahrnehmen als den MG4 EV. Das Kompaktmodell in Golf-Größe zählte nicht nur zu den ersten Stromern, die aus dem Reich der Mitte nach Deutschland kamen, sondern die Vertriebsmanager von MG zeigten auch, wie man im schwierigsten und anspruchsvollsten Automarkt der Welt Fuß fasst: mit guter Qualität zu attraktiven Preisen. Motto: kommen, um zu bleiben.
Der MG4 EV war bei seinem Debüt 2022 das erste Modell der Marke, das auf einer eigens dafür entwickelten Elektroplattform basierte, der MSP (Modular Scalable Platform). Sie wurde speziell für den europäischen Markt ausgelegt und ist in ihrem Grund-Layout ein Heckantriebskonzept, ganz ähnlich, wie es Volkswagen bei seiner MEB-Architektur gemacht hat. Über 32.000 Einheiten konnte MG bislang in Deutschland von seinem Vierer absetzen.
MG4 EV: Umfangreiches Update – vor allem im Innenraum
Jetzt spendieren die Chinesen ihrem Bestseller ein umfangreiches Update. Während man sich äußerlich auf optische Retuschen (modifizierter Heckspoiler, LED-Signatur) beschränkte, punktet der neue MG4 EV mit einem deutlich aufgewerteten Interieur. Es stammt aus dem im vorigen Jahr eingeführten SUV MGS5. Vergangenheit sind damit die halbe Stummelmittelkonsole, die kleinen Bildschirme und die teils billig wirkenden Materialien. Das neue Interieur bietet angenehme Oberflächen und wirkt wohnlicher, der zentrale Touchscreen wuchs auf eine Diagonale von 12,8 Zoll.
MG4 EV (2026)
Grundsätzlich kommt man mit der Handhabung schnell zurecht, zumal die Designer bewusst Touch-Bedienung mit physischen Tasten für oft genutzte Funktionen wie Klima oder Radio kombiniert haben. Auch die Logik hinter den Displaydarstellungen erschließt sich einem schnell. Etwas enttäuscht waren wir jedoch von der Sprachsteuerung – Anweisungen werden häufig nicht verstanden – und den manchmal etwas trägen Reaktionen der Routenführung, die einen mitunter die richtige Abfahrt verleiden oder gänzlich fehlsteuern.
Neuer Akku: mehr Reichweite und schnelleres Laden
Auch technisch hat sich gegenüber dem Vorgänger einiges getan. Hatte dieser in der 64-kWh-Ausführung noch eine Batterie auf NMC-Basis (Nickel-Mangan-Kobalt), steckt im Boden des MG4 nun ein Akku mit LFP-Zellchemie (Lithium-Eisen-Phosphat. Der Unterschied: geringere Kosten für den Hersteller, höhere Zyklenfestigkeit, mehr Reichweite und schnelleres Laden für den Kunden. So schafft der MG4 nach WLTP-Zyklus jetzt 452 Kilometer am Stück (zuvor waren es 435 Kilometer) und der Akku ist nach 28 Minuten von zehn auf 80 Prozent gefüllt.
Die 140 kW / 190 PS im Heck sorgen für völlig ausreichende Fahrleistungen, zumal die E-Maschine ihr Drehmoment (hier sind es 350 Newtonmeter) prinzipbedingt vom Start weg an die Hinterräder schickt. Das Fahrgefühl ist souverän, Lenkung und Fahrwerk sind gut abgestimmt, das Fahrverhalten wirkt sicher und solide. Wer es ein wenig spontaner im Ansprechverhalten haben möchte, kann übers Display auf den Modus "Sport" wechseln. Gewünscht hätten wir uns lediglich eine bessere akustische Dämmung. Besonders auf rauerem Asphalt dringen zu viel Geräusche aus den Radhäusern nach innen.
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MG4 EV: Gute Platzverhältnisse
Angenehm sind Raumgefühl und die guten Platzverhältnisse. Auch hinten sitzen Gäste nicht beengt. Mit seinen 388 Litern bietet der Kofferraum dagegen eher Durchschnitt. Werden die Rücksitzlehnen umgelegt, entsteht eine ebene Fläche und es passen bis zu 1.165 Litern in den Laderaum. Ein zusätzliches Fach unter der Fronthaube – in der Elektro-Szene "Frunk" genannt – bietet der MG4 nicht, obwohl der Antrieb ja hinten sitzt.
Oberhalb des Einstiegsmodells rangiert die Long-Range-Version mit 77 kWh Kapazität (netto 74,4 kWh). Hiermit sind bis zu 545 Kilometer Reichweite möglich. Verbunden damit ist ein Motor, der anstelle der 140 flotte 180 kW / 245 PS leistet. Die Höchstgeschwindigkeit beließ MG dennoch bei 180 km/h – der besseren Reichweite wegen. Erst wer die Allradvariante XPower wählt, darf sich jenseits der 200-km/h-Marke bewegen und sich aufgrund der 320 kW / 435 PS starken Systemleistung an einer sportwagenähnlichen Fahrdynamik erfreuen.
MG4 EV: Vorerst nur mit Premium-Ausstattung
Gut strukturiert ist MG bei der Modell- und Preisgestaltung. Den MG4 gibt es derzeit nur in einer Premium-Version. Wählen kann der Kunde lediglich die Motorleistung und die Farbe. Preislich geht es bei 42.990 Euro los, was in Anbetracht der äußerst üppigen Serienausstattung ein recht verlockendes Angebot darstellt. Ein ganzes Bündel an Assistenzsystemen sowie 360-Grad-Kamera, Klimaautomatik, Wärmepumpe und Vehicle-to-load-Funktion (V2L) sind an Board. Hier dürfte es die Konkurrenz schwerhaben, preislich mitzuhalten. Die beiden höheren Versionen des MG4 EV kosten jeweils 2.000 Euro mehr.
Vermissen werden einige Kunden gewiss die ehemalige Standardversion mit dem kleineren Akku (51 kWh) und der abgespeckten Serienausstattung. Doch Geduld, sie will MG vermutlich noch in diesem Jahr nachschieben. Optisch wird sie sich ein wenig von ihren Brüdern unterscheiden, da unterm Blech eine andere Plattform steckt. Statt Heck- hat sie Frontantrieb. Wie weit MG den Preis in Richtung 30.000 Euro drücken kann, bleibt abzuwarten.
MGS5 EV
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