Neuer Batteriecheck für den Handel: TÜV Nord und Carly zeigen SoH-Bewertung am Nürburgring
Wie lässt sich der Zustand einer Hochvoltbatterie transparent und praxisnah bewerten? Bei einer Fachtagung von TÜV Nord und Carly am Nürburgring stand am vergangenen Montag der State of Health (SoH) im Mittelpunkt. Teilnehmer konnten den Batteriezustand von Elektrofahrzeugen selbst per App auslesen und als Zertifikat dokumentieren – mit klaren Erkenntnissen für Handel und Bewertung.
Transparenz beim Batteriezustand im Fokus
Der Zustand der Hochvoltbatterie ist einer der entscheidenden Faktoren bei der Bewertung gebrauchter Elektrofahrzeuge. Gleichzeitig fehlt im Markt häufig eine einheitliche, nachvollziehbare Kennzahl, die über reine Sicherheitsprüfungen hinausgeht. Genau hier setzt der von TÜV Nord gemeinsam mit dem Datenexperten Carly entwickelte Batteriecheck an. Im Mittelpunkt steht der sogenannte State of Health (SoH), der beschreibt, wie viel nutzbare Kapazität eine Batterie im Vergleich zum Neuzustand noch besitzt.
Beim Event am Nürburgring erläuterten die Partner, wie sich dieser Wert auf Basis vorhandener Fahrzeugdaten ermitteln lässt – ohne aufwendige Lade und Entladezyklen. Ziel ist es, eine technisch fundierte, reproduzierbare Aussage zu ermöglichen, die sich im Handelsalltag einsetzen lässt.
Hands-on-Ansatz: Batteriecheck per App
Ein zentrales Element der Veranstaltung war der Praxisbezug. Die Teilnehmer konnten den Batteriecheck selbst durchführen: Über einen Diagnose-Adapter und die eigene Carly App wurden relevante Fahrzeugdaten ausgelesen und zu einem strukturierten Prüfbericht zusammengeführt. Das Ergebnis ist ein individuelles Batterie-Zertifikat mit Angaben zum Gesundheitszustand, Ladezustand und weiteren technischen Parametern des Hochvoltsystems.
TÜV Nord/Carly-Fachevent am Nürburgring
Damit wurde deutlich, wie niedrig die Einstiegshürde für eine standardisierte Batteriebewertung ist. Der SoH-Wert entsteht dabei nicht als einzelner Messpunkt, sondern als Ergebnis einer Auswertung zahlreicher Betriebs- und Systemdaten, die technisch eingeordnet werden.
Datengrundlage: 50.000 ausgewertete Fahrzeuge
Die vorgestellten Inhalte stützen sich auf eine breite Datenbasis. Insgesamt haben TÜV Nord und Carly rund 50.000 Fahrzeuge ausgewertet. In diese Auswertung fließen auch Batteriedaten von Elektrofahrzeugen früher Generationen ein. Verbesserte Zellchemien, weiterentwickelte Batteriemanagementsysteme und optimierte Thermoregulierung prägen heutige Fahrzeuggenerationen. Die gemessen Werte werden sich daher in Zukunft weiter verbessern.
Über alle ausgewerteten Fahrzeuge hinweg liegt der durchschnittliche Batteriezustand bei rund 96 Prozent. Nur ein vergleichsweise kleiner Teil der Fahrzeuge weist eine Restkapazität von unter 85 Prozent auf. Zudem zeigen sich klare Zusammenhänge zwischen Laufleistung und Alterung: Bis etwa 90.000 Kilometer verläuft der Kapazitätsverlust moderat, danach nimmt er sichtbar zu.
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Relevanz für Bewertung und Vermarktung
Für den Autohandel ist diese Einordnung zentral. Batteriedaten müssen immer im technischen und zeitlichen Kontext betrachtet werden. Ein transparenter SoH-Check hilft dabei, Fahrzeuge früherer Generationen realistisch einzuordnen und zugleich die verbesserte Haltbarkeit moderner Batteriesysteme nachvollziehbar zu machen.
Der dokumentierte Batteriezustand bietet damit eine objektive Grundlage für Preisfindung, Bestandsbewertung und Kundenberatung – insbesondere bei Leasingrückläufern und jungen Gebrauchten. Gleichzeitig reduziert er Erklärungsaufwand und schafft Vertrauen im Verkaufsgespräch.
Eine individuelle, fahrzeugbezogene Analyse gewinnt damit zunehmend an Bedeutung.
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