Branchenwandel: Kfz-Gewerbe Baden-Württemberg legt Forderungskatalog vor
Das Kfz‑Gewerbe Baden-Württemberg hat konkrete Forderungen an die künftige Landesregierung formuliert. Verbandspräsident Michael Ziegler mahnte am Donnerstag politische Unterstützung in zentralen Zukunftsfeldern an: eine Förderstrategie für Elektromobilität, die auch den Gebrauchtwagenmarkt einbezieht; eine Anhebung der Meisterprämie auf mindestens 3.000 Euro; die gesetzliche Sicherung des Datenzugangs für unabhängige Werkstätten sowie eine grundlegende Überarbeitung des geplanten EU‑Verbrauchslabels für Gebrauchtwagen.
"Wer in den kommenden Wochen in Stuttgart Regierungsverantwortung übernimmt, findet eine Branche vor, die ihren Job macht", erklärte Ziegler in Stuttgart. 3.700 Betriebe im Land transformierten sich aus eigener Kraft. Nicht weil eine Verordnung es vorschreibe, sondern weil der Markt es verlange. "82.000 Beschäftigte in Baden-Württemberg liefern. Jeden Tag. Evolution statt Verordnung: Das ist der Maßstab, an dem wir die nächste Landesregierung messen werden."
Zahl der Großinsolvenzen verdreifacht
Grundsätzlich zeichnete Ziegler vor Journalisten ein kritisches Bild der aktuellen Branchenlage. Eine "geschlossene Kausalkette" aus verfehlter Modellpolitik der Hersteller, sinkenden Margen, steigenden Investitionskosten und einem Servicegeschäft am Höhepunkt setze die Betriebe zunehmend unter Druck. Besonders alarmierend aus seiner Sicht: Die Zahl der Großinsolvenzen im deutschen Autohandel habe sich im vergangenen Jahr von elf auf 32 verdreifacht. Auch der Neuwagenmarkt befinde sich im Strukturbruch: Der Verbrenner‑Anteil fiel bundesweit auf 41 Prozent, während die rein elektrischen Neuzulassungen auf 545.000 Fahrzeuge stiegen – ein Plus von 43 Prozent.
In Baden‑Württemberg ist der Wandel besonders ausgeprägt: Jeder dritte Neuwagen ist elektrisch, jeder fünfte rein batterieelektrisch. "Was auf die Branche zukommt, kommt in Baden‑Württemberg früher an. Das ist Chance und Risiko zugleich", sagte Ziegler. Gleichzeitig liege der Gesamtmarkt weiterhin deutlich unter Vor‑Corona‑Niveau. "Das ist kein Branchenproblem, das ist eine gesamtwirtschaftliche Krise", so der Verbandschef.
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Scharfe Kritik richtete Ziegler an die Autohersteller: fehlende Einstiegsmodelle, Rückzug aus dem Flottengeschäft, Margenverlagerung in die eigenen Reihen und ein durchschnittlicher Neuwagenpreis von knapp 45.000 Euro belasteten Händler und Kunden gleichermaßen. Die Folgen seien sinkende Renditen, steigende Investitionskosten und ein doppeltes Kostengerüst aus Verbrenner‑ und Elektroinfrastruktur.
"Rasierklinge statt Polster"
Die durchschnittliche Umsatzrendite der Betriebe liege bei knapp über einem Prozent, betonte der Branchenvertreter. "Bei einem Umsatz von einer Million Euro bleiben gut zehntausend Euro. Das ist kein Polster, das ist eine Rasierklinge."
Problematisch: Der Werkstattbereich – lange stabilisierende Säule – erreiche nun seinen Zenit. "Wir sind am Höhepunkt des Servicegeschäfts angekommen", sagte Ziegler. Der Fahrzeugbestand nähere sich mit 49,6 Millionen Pkw seinem Sättigungspunkt. Zudem seien Werkstattbesuche in sechs Jahren um 31 Prozent gesunken, die Wartungshäufigkeit pro Fahrzeug liege erstmals unter eins, und E-Fahrzeuge benötigten rund ein Drittel weniger Service. "Was der Handel heute spürt, kommt in der Werkstatt morgen an", warnte er.
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