Ölpreise legen erneut deutlich zu: Deutschland gibt nationale Reserven frei
Die Ölpreise sind am Mittwoch mit der Sorge vor einer längeren Unterbrechung von Öllieferungen durch die Straße von Hormus am Persischen Golf gestiegen. Am Morgen wurde für ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent 92,31 Dollar gezahlt und damit über fünf Prozent mehr als am Vortag. Der Preisrückgang, der am Montag eingesetzt und sich am Dienstag fortgesetzt hatte, ist damit vorerst gestoppt. Deutschland gibt deshalb nach dpa-Informationen einen Teil der nationalen Ölreserven frei. Hintergrund sind die wegen des Iran-Kriegs deutlich gestiegenen Öl- und Spritpreise, die G7-Staaten hatten deshalb über eine Freigabe von Reserven beraten.
Nadelöhr: Straße von Hormus im Blick
Mit dem Iran-Krieg ist der Transport von Rohöl aus den Fördergebieten am Persischen Golf durch die Straße von Hormus faktisch zum Erliegen gekommen. Zuletzt haben Berichte über angeblich vom Iran in der Straße von Hormus verlegte Seeminen die Sorge um die Sicherheit der internationalen Energieversorgung befeuert.
Zudem wird auch die Durchfahrt des Persischen Golfs zu einem immer größeren Risiko. Vor der Küste der Vereinigten Arabischen Emirate ist ein Handelsschiff von einem mutmaßlichen Angriff des Irans getroffen worden. Ein "unbekanntes Geschoss" habe an der Einfahrt zur Straße von Hormus ein Containerschiff getroffen, meldete die britische Behörde für Sicherheit der Handelsschifffahrt am Mittwoch.
Um 55 Cent: Benzinpreise in den USA steigen deutlich
Auch Autofahrer in den USA bekommen die Auswirkungen des von ihrer Regierung geführten Krieges im Iran deutlich zu spüren. Seit Kriegsbeginn kletterten die Preise für bleifreies Benzin bis Dienstag (Ortszeit) um 55 Cent auf rund 3,54 US-Dollar pro Gallone, wie der amerikanische Automobilverband AAA auf Anfrage mitteilte. Das entspricht einem Anstieg von fast 19 Prozent. Es ist das erste Mal seit Juli 2024, dass der Durchschnittspreis die Marke von 3,50 Dollar knackte. Eine Gallone entspricht 3,785 Litern.
Im Vergleich zu deutschen Autofahrern kommen die Amerikaner dabei noch günstig weg: Pro Liter zahlen sie umgerechnet nur etwa 81 Euro-Cent. Wegen geringerer Steuern und Abgaben und der eigenen Ölproduktion liegen die Spritpreise in den USA grundsätzlich niedriger als in Deutschland.
Trump warb im Wahlkampf mit deutlich tieferen Energiepreisen
Der Krieg im Iran hat den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus nahezu zum Erliegen gebracht. Durch die Meerenge wird in Friedenszeiten rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls transportiert. Die Schockwellen des Stopps sind weltweit zu spüren - auch in Deutschland, wo am Montag selbst der Durchschnittspreis für die günstigste gängige Benzinsorte E10 auf über zwei Euro pro Liter kletterte. Das Thema Benzinpreise birgt gerade in den USA politischen Sprengstoff, auch mit Blick auf die anstehenden Zwischenwahlen im November. US-Präsident Donald Trump versprach im Wahlkampf, die Förderung fossiler Energieträger wie Öl und Kohle auszubauen - und so die Energiepreise für seine Landsleute deutlich zu verringern.
Seit Beginn des Krieges sucht die US-Regierung nach Wegen, das Angebot auf den Weltmärkten zu erhöhen, etwa durch gelockerte Sanktionen für russisches Öl. Regierungssprecherin Karoline Leavitt versuchte am Dienstag, die Bürgerinnen und Bürger in den Vereinigten Staaten zu beruhigen: "Die US-Bevölkerung kann versichert sein, dass der jüngste Anstieg der Öl- und Benzinpreise nur vorübergehend ist."
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