Trotz schwacher Konjunktur und rückläufiger Nachfrage hat das hessische Kraftfahrzeuggewerbe 2025 ein insgesamt "durchaus solides Autojahr" bilanziert. Wie der Kfz-Landesverband am Freitag in Wiesbaden mitteilte, sank der Gesamtumsatz der Branche nur leicht auf 29,1 Milliarden Euro (Vorjahr: 29,8 Milliarden). Die Umsatzrendite gab allerdings deutlich von 1,6 auf 1,1 Prozent nach.

Verbandspräsident Michael Kraft zeigte sich angesichts der Belastungen dennoch zufrieden: Man müsse "mit Blick auf die wirtschaftliche Schwäche, die hohen Energiekosten, eine überbordende Regulatorik sowie ein nur schwach steigendes Kaufinteresse" das Ergebnis einordnen. Gleichzeitig warnte er: "Wir müssen Lösungen suchen, die die Volksmotorisierung sichern."

Der hessische Neuwagenmarkt blieb im vergangenen Jahr schwach. Die Pkw-Neuzulassungen gingen auf 322.461 Einheiten zurück (minus vier Prozent), auch der Gebrauchtwagenmarkt verzeichnete ein leichtes Minus auf 503.091 Besitzumschreibungen. Der durchschnittliche Neuwagenpreis stieg weiter auf 44.780 Euro, bei Gebrauchten lag er bei 18.560 Euro.

"Transformation im Automarkt ist kein Selbstläufer"

Starke Dynamik zeigte die Elektromobilität – allerdings begünstigt durch Sondereffekte. Die E-Verkäufe kletterten auf 189.601 Einheiten (plus 47,6 Prozent BEV, plus 35,6 Prozent PHEV). Kraft relativierte jedoch den Eindruck eines Durchbruchs: Noch immer bestünden Vorbehalte bei Reichweite, Ladeinfrastruktur und Energiekosten. "Die Transformation im Automarkt ist kein Selbstläufer", so der Verbandschef. Zudem belaste die verzögerte und komplizierte Umsetzung der angekündigten E-Auto-Prämie den Handel.

Im Gebrauchtwagengeschäft veränderte sich die Struktur deutlich. Der Markenhandel verlor sechs Prozentpunkte Marktanteil, während freier Handel und Privatmarkt zulegten. Für Kraft ein Zeichen gestiegener Preissensibilität: Der Gebrauchtwagenmarkt bleibe der "Ort für bezahlbare individuelle Mobilität".

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Serviceumsatz steigt

Stabil zeigte sich das Servicegeschäft in Hessen: Der Umsatz legte um 5,2 Prozent auf rund 2,67 Milliarden Euro zu, der durchschnittliche Wartungsaufwand erreichte 542 Euro – ein neuer Höchstwert. Für Verschleißreparaturen gaben Privatkunden 604 Euro aus. Die Werkstattauslastung liegt mit 91,2 Prozent weiterhin hoch. Gleichzeitig steigen die Anforderungen im Service – von komplexer Elektronik über Assistenzsysteme bis zu softwarebasierten Updates.

Sorge bereitet dem Verband die Ausbildungssituation. Zwar nahm der Beruf Kfz-Mechatroniker/in leicht auf 1.842 neue Verträge zu (plus 0,3 Prozent), wie Vizepräsident Thorsten Krämer erläuterte. "Diese Stabilität freut uns besonders, weil wir in Hessen zum kleinen Kreis der Bundesländer mit Pluszahlen gehören." Allerdings habe es im kaufmännischen Bereich ein zweistelliges Minus auf 387 Verträge gegeben (minus 10,4 Prozent).

Krämer sagte, im kaufmännischen Bereich habe sich besonders der allgemeine Trend auf dem Ausbildungsmarkt vor dem Hintergrund demografischer Veränderungen, rückläufiger Schulabgänger-Zahlen sowie der weiterhin angespannten Bewerberlage gezeigt. "Es handelt sich dabei nicht um ein spezifisches Phänomen einzelner Regionen oder des Kraftfahrzeuggewerbes, sondern um eine gesamtmarktwirtschaftliche Entwicklung." Angesichts der Mobilitätswende steige der Qualifikationsbedarf massiv, hieß es.

Zuversicht für 2026

Mit Blick auf das Autojahr 2026 äußerte sich die Verbandsspitze verhalten optimistisch. "Die Jahresprognose des ZDK gibt Anlass zur Hoffnung für ein gutes Handelsgeschäft. Auch unser Service wird davon profitieren und weiterhin die stabile Säule unseres Kfz-Gewerbes bilden", sagte Kraft. Der Dachverband ZDK erwartet bundesweit ein Neuzulassungsplus von 3,5 bis vier Prozent (wir berichteten).

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