Faszination Aston Martin Vanquish - unterwegs mit Traum-V12
Das Aston-Martin-Topmodell besticht vor allem durch das, was unter der leichten Carbonhaube steckt. Und durch stilvolles Design. ntv.de war mit dem starken Gran Turismo unterwegs, das man nicht so oft auf den Straßen sehen wird.
Aston Martin hat seine Kundschaft durchaus überrascht, als klar wurde, dass im Topmodell Vanquish wieder ein Zwölfzylinder für Bewegung sorgen würde. Denn eigentlich, so war die Botschaft zu verstehen, war der Abschied von dieser immer rarer werdenden Motorenart ja bereits mit dem auf 333 Exemplare limitierten Vantage V12 gefeiert worden.
Doch vermutlich wäre die Kundschaft Sturm gelaufen, hätte der DBS-Nachfolger bloß den vergleichsweise schnöden Vierliter-Achtzylinder eingepflanzt bekommen. Und man hört natürlich schon am charakteristischen Anlassergeräusch, wenn der 5,2-Liter seine Arbeit aufnimmt. Erst summt es kurz, dann schnaubt sich der Doppelturbo mit markant-kehligen Lautäußerungen sofort in die Herzen der beiden Passagiere, wenn sie denn einen Sinn für Maschinenbau haben.
Und das ist es noch mehr als die schieren Zahlen, wobei Aston auch hier offenbar Zeichen setzen wollte. Wo sonst gibt es schließlich 1000 Newtonmeter auf der Hinterachse oder 345 km/h Topspeed? Doch alles Nebensache im Grunde. Wenn man mit dem großen Coupé gepflegt über die Straßen cruist, erwischt man sich dabei, immer wieder Last anzulegen, bloß um zu hören, wie sämig der Zwölfzylinder sein Moment in Richtung ZF-Achtgänger fließen lässt.
Okay, ganz so ist es nicht: Die Briten haben dem Flaggschiff schon auch eine zornige Note mit auf den Weg gegeben. So mischt sich in den seidigen Klang zudem eine rauchig-grollende Schattierung. Und lässt man der Kurbelwelle freien Lauf, entwickelt sich eine reißende Soundflut, die mit brachialer Beschleunigung einhergeht. Und hier haben die Ingenieure offenbar Arbeit investiert, um das Traktionsverhalten deutlich zu verbessern gegenüber dem Vorgänger DBS. Klar, es ist und bleibt schwierig, 835 PS über einen Hinterradantrieb auf die Straße zu bringen, vor allem um unteren Tempobereich. Da können warme 325er-Pirellis noch so kleben und das Sperrdifferenzial kann noch so ausgeklügelt arbeiten.
Der Vanquish hat eine Performance-Sonderstellung inne
Wer die performante Sonderstellung des Vanquish erleben möchte, braucht nicht Landstraße oder Track (er ist kein ausgeprägter Querdynamiker), sondern German Autobahn. Richtig wütend wird der Ausnahme-Sportler erst oberhalb von 150 km/h, und gar erst über 200 km/h spürt man, dass hier wesentlich mehr geht als anderswo. Denn erst in Geschwindigkeitsbereichen, da der brutale Luftwiderstand markantem Vortrieb eigentlich einen Riegel vorschieben will, blüht der Top-Aston auf. Stemmt sich sein Maschinenmonster mit aller Gewalt gegen die Physik und schmettert den 1,9-Tonner so heftig gen 300 Sachen, sodass dieses Tempo nicht bloß als Papiermarke existiert.
Doch genug davon, der Vanquish lebt auch und gerade von seiner Ästhetik. Und während es Menschen, die Formensprache nicht so gut lesen können, durchaus schwerfällt, die verschiedenen Aston-Variationen zu unterscheiden, setzen die Briten mit dem neuen Vanquish-Heck ein deutliches Statement. Den Vanquish erkennt wirklich jeder an seiner flächigen, in schwarzer Hochglanzlackierung gehaltenen Partie, um die herum an den jeweiligen äußeren Seiten die Rückleuchten-LED-Segmente angebracht sind. Hat außerdem ein bisschen was Spaciges.
Auch für Digital Natives hat der neue Aston etwas zu bieten. Und zwar gehört er zu den ersten Offerten mit Apple CarPlay Ultra. Damit erhält die Smartphone-Integration einen deutlich erweiterten Funktionsumfang. Beispielsweise kann der User jetzt auch die Fahrerassistenz per CarPlay deaktivieren. Auf Wunsch hat Apple darüber hinaus verschiedene grafische Oberflächen für das Kombiinstrument parat. Ziemlich coole sogar! Allerdings ist das System in der Praxis während des Benutzens immer mal wieder eingefroren. Hier braucht es wohl noch das eine oder andere Update - in der Frühphase ist das jedoch verzeihlich.
Bleibt es damit tatsächlich bei der einzigen Schwäche des Vanquish? Man darf natürlich nicht die gleichen Maßstäbe anlegen, die bei einem Großserienhersteller gelten. Kein Drama also, wenn mal eine Ziernaht nicht ganz sauber sitzt oder das Bedienmenü auf dem Touchscreen nicht ganz so logisch strukturiert erscheint. "Emotion schlägt Perfektion" lautet das Motto bei Kunden, die es sich leisten können, 400.000 Euro und mehr für ein Auto auszugeben, während andere Menschen sich die gleiche Summe ein halbes Leben lang zusammensparen müssen, um ein Häuschen zu bauen.
Immerhin beherrscht Aston die Etikette und arbeitet sauber an den Komponenten. Wer das Heck mit dem fast überdimensionierten Diffusor in Augenschein nimmt, entdeckt piekfein gearbeitete Auspuffendrohre statt krumm und schief gedengelter Bleche wie beim Ferrari 12 Cilindri, der in einer ähnlichen Preisregion zu Hause ist.
Gut angelegt dürfte das Geld für den Vanquish durchaus sein, denn der Hersteller selbst hat schon von vornherein angekündigt, nicht mehr als 1000 Exemplare pro Jahr produzieren zu wollen für den Weltbedarf. Angesicht der wachsenden Zahl von Millionären und Milliardären eine Chance für Aston Martin, einen Nachfrageüberhang zu erzeugen. Den könnten die Briten gerade gut gebrauchen. Mit dem Vanquish haben sie jedoch alles richtig gemacht, mehr Punktlandung bei einem Traumauto geht nicht.
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